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- Pressemitteilung Amnesty International - Sektion der Bundesrepublik Deutschland e.V. - 14.09.2016 -

Foto, Schwarz-Weiß im Querformat: Auf einer Straße ziehen Demonstrierende. Die Vordersten tragen eine sehr langes Transparent, Text: GEGEN RASSISMUS UND NAZI TERROR; im Hintergrund erkennt man die triste Mietskasernen, welche 1991 durch die breite Berichterstattung einen Wiedererkennungswert haben. Im Bildvorderung steht eine große Anzahl von Polizisten quer zur Fahrbanh, mit weißen Helmen, durchsichtigen Schilden und schweren Lederjacken, den Rücken zur Kamera, die ankommenden Demonstranten im Blick.
1991 kam es in Hoyerswerda, einer Stadt im Osten Sachsens, zu den
ersten rassistischen Pogromen der Nachkriegszeit. Das Foto entstand bei
der Demonstration am 29. September 1991, als sich rund 3000 Menschen
aktiv gegen Rassismus auf den Weg nach Hoyerswerda machten.
Foto: © Umbruch Bildarchiv e. V. - https://umbruch-bildarchiv.de
Schriftlogo mit Grafik und Text in Schwarz auf gelben Grund, Text: AMNESTY INTERNATIONAL; Grafik: Eine Kerze, die von Stacheldraht umrangt ist.

25 Jahre nach Ausschreitungen in Hoyerswerda noch immer kein umfassendes Konzept zum Schutz
von Flüchtlingsunterkünften

Amnesty: 25 Jahre nach den Ausschreitungen in Hoyerswerda gibt es noch immer keine umfassenden Pläne für den systematischen Schutz von Unterkünften und vor rassistischer Gewalt.
Rassismus ist gesamtgesellschaftliches Problem, wird jedoch noch immer als Problem einiger weniger Rechtsextremer verkannt.

Berlin, 14. September 2016 – Im Zeitraum zwischen dem 17. und dem
23. September 1991 kam es im sächsischen Hoyerswerda zu einer Serie rassistisch motivierter Übergriffe. Ein Wohnheim für Vertragsarbeiter sowie eine Flüchtlingsunterkunft wurden mit Molotow-Cocktails und Steinen angegriffen.
"Auch zweieinhalb Jahrzehnte nach den Ausschreitungen in Hoyerswerda gibt es keine umfassenden Pläne für den systematischen Schutz von Unterkünften und vor rassistischer Gewalt. Aus dem damaligen gesellschaftlichen Klima ist die " Generation Hoyerswerda " hervorgegangen, bei denen es sich um eben jene Rechtsextreme handelt, die heute die Proteste gegen Flüchtlingsheime anfachen und organisieren", sagt Alexander Bosch, Experte für Rassismus bei Amnesty International in Deutschland. "Die dramatisch steigende Zahl rassistisch motivierter Straftaten in Deutschland resultiert auch aus den Versäumnissen dieser Zeit. Hätte man damals die richtigen Konsequenzen gezogen, wären Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland heute besser geschützt und rassistische Straftaten würden besser erkannt und konsequenter verfolgt."

"Rassismus ist damals wie heute ein tiefgehendes gesellschaftliches Problem, das nicht auf Rechtsextremismus – und damit auf ein Phänomen einiger weniger Rechtsextremer – verengt werden kann", so Bosch. "Die Annahme, dass Rassismus ein ostdeutsches Problem ist, ist vor diesem Hintergrund und angesichts der vielen Übergriffe in anderen Regionen Deutschlands schlicht falsch."

"Zwar ist bei den Sicherheitsbehörden eine größere Sensibilität für das Thema rassistische Gewalt festzustellen als noch Anfang der 90er Jahre. Doch viele Politiker und Parteien grenzen sich nicht konsequent von rassistischen Ressentiments, Stereotypen und Vorurteilen ab. Teilweise äußern sich politische Vertreter bewusst oder unbewusst rassistisch und schaffen so ein Klima, dass diese Angriffe erst möglich macht", zieht Bosch Fazit.

"Amnesty International fordert die Innenministerkonferenz dazu auf, sich über ein deutschlandweites Konzept zum Schutz von Unterkünften zu verständigen. Außerdem fordert Amnesty Politiker dazu auf, ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden und nicht mit populistischen Aussagen die in Teilen der Gesellschaft vorhandene Stimmung gegen Flüchtlinge zusätzlich anzuheizen", so Bosch.

Der im Juni zum Thema veröffentlichte Amnesty-Bericht: LEBEN IN UNSICHERHEIT - WIE DEUTSCHLAND DIE OPFER RASSISTISCHER GEWALT IM STICH LÄSST - PDF-Datei 84 Seiten, rd. 3,4 MB [neues Fenster] - amnesty.de.


Über Amnesty International (AI)

Amnesty International (von englisch amnesty‚ Begnadigung, Straferlass, Amnestie) ist eine nichtstaatliche (NGOEine Nichtregierungsorganisation (NRO bzw. aus dem Englischen NGO) oder auch nichtstaatliche Organisation ist ein zivilgesellschaftlich zustande gekommener Interessenverband. Der englische Begriff non-governmental organization (NGO) wurde einst von den Vereinten Nationen (UNO) eingeführt, um Vertreter der Zivilgesellschaft, die sich an den politischen Prozessen der UNO beteiligen, von den staatlichen Vertretern abzugrenzen; non-governmental bedeutet dabei "nichtstaatlich" im Sinne von "staatsunabhängig", "regierungsunabhängig".) und Non-Profit-Organisation, die sich weltweit für Menschenrechte einsetzt.

Startseite Amnesty International - Sektion der Bundesrepublik Deutschland e.V.: https://www.amnesty.de.

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- Veröffentlichung dieser Seite am 14. September 2016 -