
Hinter dem Begriff Telemedizin verbergen sich bei medizinischem Cannabis sehr unterschiedliche Angebote. Manche Plattformen sind reine Rezeptdienste, andere kombinieren Arztzugang mit Produktbestand, Vergleichsrechner oder Wissensangebot. Wer den Markt für Telemedizin Cannabis Rezept Deutschland Anbieter erstmals betrachtet, sieht zunächst vor allem Namen.
Dieser Überblick stellt neun Namen vor, geordnet nach der Breite ihrer Leistungen rund um die Anfrage, und beschreibt, welche Leistungen jeweils dahinterstehen: Honorar, Zugang zum Arzt, Produktauswahl, Apothekenanbindung. Die Angaben stammen von den Anbietern selbst, Preise stehen so da, wie die Anbieter sie nennen, und das Medikament kommt immer hinzu. Über ein Rezept befindet allein der Arzt.
Einsteiger sollten vier Dinge prüfen. Zuerst den Zugang: Reicht ein Fragebogen, oder gehört ein Videogespräch dazu? Dann die Kosten: Das Honorar ist nur ein Teil, hinzu kommen Medikament und Versand. Drittens das Angebot rund um die Anfrage, etwa Preisvergleich, Produktbestand und Informationen. Viertens die Erreichbarkeit: Gibt es Telefon, Chat oder nur E-Mail? Bloomwell nennt eine Hotline mit 0800-Nummer und einen WhatsApp-Kanal, DoktorABC einen Kundenservice mit festen Zeiten, Telecan eine Telefonzeit an wenigen Wochentagen.
Hilfreich ist es, die eigene Reihenfolge festzulegen: erst der Zugang zum Arzt, dann die Kosten, zuletzt die Zusatzleistungen. Ein Anbieter mit vielen Leistungen ist nicht automatisch passender, entscheidend ist, ob die Leistungen zu Ihrem Vorgehen passen. Das Zusammenspiel von Zugang, Kosten und Zusatzleistungen unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter deutlich. Wer gern vergleicht, braucht andere Funktionen als jemand, der nur ein Rezept einlösen will. Bei Bloomwell etwa läuft vieles über die App, bei MedCanOneStop über einen Kostenrechner, bei 5Swan über den Terminkalender.
Typische Fehler lassen sich vermeiden. Der erste ist, nur den niedrigsten Honorarbetrag zu betrachten und die Folgekosten zu übersehen: Folgerezepte, Versand und Medikamentenpreise unterscheiden sich je nach Anbieter. Der zweite ist, Plattform und Arzt gleichzusetzen, denn die Plattform vermittelt, der Arzt entscheidet.
Dritter Fehler: Unterlagen zu spät bereitzulegen. Mehrere Anbieter verlangen einen gültigen Ausweis, einige zusätzlich Befunde. Vierter Fehler: Aktionen mit erlassenen Gebühren für den Normalpreis zu halten, sie gelten oft nur zeitweise. Fünfter Fehler: Aussagen zur Wirkung auf Anbieterseiten als ärztlichen Rat zu lesen. Dafür ist das Gespräch mit dem Arzt da, nicht die Anbieterseite. Ein sechster Fehler ist, das Kleingedruckte zu ignorieren, etwa Registrierungspflichten oder Zahlungsfristen wie den 60-minütigen Zahlungslink bei CanDoc.
Bei weed.de stehen fünf Leistungen unter einem Dach: Anfrage per Fragebogen oder Video, Preis- und Bestandsvergleich, Sortenlexikon, Arztsuche sowie eine Karte, die Apotheken, Ärzte und CBD-Shops zeigt. Der Vergleich umfasst 2.105 Produkte in 251 Apotheken, das Lexikon 2.618 Sorten und 153 Hersteller und Marken.
Das Honorar beträgt 9,95 € für den Fragebogen und 29,90 € für die Videosprechstunde, jeweils zuzüglich Medikament. Wer eine Praxis bevorzugt, nutzt die Arztsuche, das Honorar legt die Praxis fest und weed.de rechnet es nicht ab. Die Plattform nennt eine Kontaktseite und ein Hilfe-Center, zahlen lässt sich über Adyen, auch per Apple Pay oder Google Pay. Betreiber ist die Tortuga Technologies (Germany) GmbH in Berlin, die Trustpilot-Bewertung liegt bei 4,4 von 5 aus 59 Bewertungen.
Preise: Fragebogen 9,95 €, Video 29,90 €.
DrAnsay zeigt, wie weit Telemedizin über Cannabis hinausreicht: Neben dem Cannabisangebot, das als Bestseller geführt wird, gibt es Rezepte und Behandlungen für Gewichtsmanagement, Frauengesundheit und allgemeine Medizin sowie Folgerezepte. Zum Angebot zählen ein Shop für Cannabis, eine iOS-App und ein Magazin.
Am Anfang steht ein Online-Fragebogen, danach sieht ihn ein Arzt oder eine Ärztin durch, ein Videogespräch ist optional. Medikamente kommen laut Seite in zwei bis vier Tagen oder lassen sich abholen. Wer mehrere Rezepte an einem Ort verwaltet, braucht nur ein Konto. Eine Umfrage namens „Cannabis-Kompass“ mit 1.000 Teilnehmern ist als Bericht verfügbar, ihre Ergebnisse sind Angaben des Anbieters.
Preise: Nicht angegeben, laut Dritten genannte Werte sind auf der Startseite nicht bestätigt.
CannGo bietet neben dem Rezept Ratgeber zu Rechtslage, Kosten und Darreichungsformen und Seiten für zehn Städte. Die Website steht auf Deutsch und Englisch bereit, der Support läuft per E-Mail und über eine Telegram-Community. Auf der Seite finden sich zudem Hinweise zu Abhängigkeitspotenzial und eingeschränkter Fahrtüchtigkeit.
Das Honorar liegt bei 14,99 € je Anfrage inklusive Mehrwertsteuer und wird bei Ablehnung erstattet. Der Live-Bestand umfasst mehr als 350 Apotheken und über 1.400 Blüten sowie Extrakte, Verdampfer und Esswaren. Das Unternehmen stellt nur Privatrezepte aus, die erste Anfrage entsteht per Fragebogen.
Preise: 14,99 € je Anfrage, im Preisvergleich Blüten ab 2,69 €/g plus Versand.
Zu den Leistungen von MedCanOneStop zählen ein Kostenrechner, eine Bewertungsdatenbank und eine Community, in der Mitglieder Punkte sammeln. Nach dem dritten Rezept gibt es einen kostenlosen Patientenausweis. Ein Webinar zum Thema Führerschein mit Dr. Grotenhermen ergänzt das Angebot. Bei Trustpilot erreicht die Plattform 4,9 Punkte aus 1.223 Bewertungen, bei Google 4,9 aus 3.246.
Der Ablauf: kostenlose Vorprüfung, Wahl eines kooperierenden Arztes aus Deutschland oder der EU, Anfrage oder Videotermin mit deutschem Arzt. Angezeigt werden 14,99 €, der Eigenanteil beginnt laut Anbieter bei 8,16 €, ein Videotermin kostet ab 32,62 €. Das Honorar wird nur reserviert und bei Ablehnung freigegeben.
Preise: Eigenanteil ab 8,16 €, Video ab 32,62 €.
DoktorABC fällt durch die Breite des Sortiments auf: Mehr als 1.500 Cannabisprodukte werden genannt, darunter Blüten, mehr als 30 Extrakte, über 20 orale Optionen und mehr als 25 Vape-Formate sowie Verdampfer. Der Bestand wird in Echtzeit von mehr als 700 Partnerapotheken gespeist.
Die ärztliche Prüfung per Fragebogen kostet 14,90 €. Geliefert wird per DHL, per Express über einen Uber-Kurier oder mit Abholung am selben Tag. Die Plattform bezeichnet sich als Vermittler, Cannabis ist eine von mehr als 40 Kategorien. Der Kundenservice ist werktags tagsüber erreichbar, außerhalb gibt es ein Ticketsystem, Betreiber ist Sky Marketing Ltd. in London.
Preise: 14,90 € für das Rezept, Cannabistherapeutika laut Therapieseite ab 3 €.
Bloomwell ergänzt das Rezept um Services: einen Gutachten- und Formularservice, einen Zubehörshop und einen Empfehlungsbonus. Inhaltsbereiche erklären Terpene, Sorten und Kosten. Die App bildet den gesamten Ablauf ab, vom Fragebogen mit Dokumenten-Upload bis zur Bestellung. Bezahlt wird per Google Pay, Apple Pay, Klarna oder Karte, Privatversicherte erhalten auf Anfrage eine Rechnung.
Das Honorar beträgt normalerweise 25,22 €, ein Folgerezept 28,25 €. Zeitweise läuft eine Aktion, bei der es für die Anfrage entfällt. Der Live-Bestand zeigt mehr als 800 Blüten, geliefert wird per DHL oder DHL Express, alternativ per Abholung.
Preise: Anfrage 25,22 €, Folgerezept 28,25 €.
GreenMedical konzentriert sich auf zwei Bereiche, Cannabis und Gewichtsmanagement. Im Cannabisangebot finden sich Extrakte, Blüten und Vaporizer, dazu kommt ein Verzeichnis von Cannabis-Apotheken. Wer noch kein Medikament im Kopf hat, kann von den Ärzten einen Vorschlag einholen.
Der Ablauf besteht aus Therapiebereich, Anamnese von etwa fünf Minuten und Medikamentenwahl. Das Rezept wird digital oder vor Ort eingelöst, je nach Apotheke per Abholung oder Versand. Rezepte gibt es ab 9,95 €, Medikamente zu gesetzlichen Apothekenpreisen. Die ärztliche Leistung ist umsatzsteuerfrei, Produktpreise enthalten 19 % Mehrwertsteuer. Für Notfälle ist der Dienst nicht gedacht, die Seite verweist auf 112 und 116 117.
Preise: Rezepte ab 9,95 €.
CanDoc verbindet Rezept und Shop. Die Produktbreite reicht von Blüten über Extrakte und Kapseln bis zu Verdampfern, Filter nach Sativa, Indica und Hybrid helfen bei der Suche. Landingpages für über 25 Orte, ein THC-Rechner und ein digitaler Patientenausweis im Smartphone-Wallet runden das Angebot ab.
Das Honorar: 10 € für das Erstrezept, 5 € für das Folgerezept, 35 € für Video, jeweils zuzüglich Medikament, mit zeitweisen Aktionen für 0 €. Ein Expresskauf über Grünhorn und Alle Farben bündelt Gebühr und Medikament, Gebühren werden bei Ablehnung erstattet. Eine Registrierung ist zum Start nicht nötig, das Unternehmen nennt seine Produkte GMP-zertifiziert und zeigt LegitScript- sowie BfArM-Register-Siegel.
Preise: 10 € für das erste, 5 € für jedes weitere Rezept, 10 € für den Patientenausweis.
5Swan bietet statt Produktbestand Betreuung: ein 25-minütiges Videoerstgespräch mit einem vorab benannten Arzt, einen individuellen Behandlungsplan und regelmäßige Videotermine. Zusätzlich gibt es Seiten zu Beschwerdebildern und einen Blog. Das Unternehmen nennt mehr als 2.500 Patienten und über 20.000 Rezepte, das sind Eigenangaben.
Der Ablauf: kostenlose Registrierung, Kurzfragebogen von unter fünf Minuten, Buchung im Online-Kalender. Das Rezept geht per E-Mail an die genannte Apotheke, die Lieferung erfolgt laut Anbieter in wenigen Tagen. Ärzte haben nach Unternehmensangaben eine deutsche Approbation.
Preise: 25 € bis 65 € je Termin.
Die Anbieter im Vergleich:
Anbieter |
Zugang |
Honorar |
Besonderes Angebot |
weed.de |
Fragebogen, Video, Praxis |
9,95 € bis 29,90 € |
Lexikon, Vergleich, Arztsuche |
DrAnsay |
Fragebogen, optional Video |
Nicht angegeben |
Mehrere Fachbereiche |
CannGo |
Fragebogen |
14,99 € |
Ratgeber, Städteseiten |
MedCanOneStop |
Wunscharzt, Video |
Ab 8,16 € Eigenanteil |
Kostenrechner, Community |
DoktorABC |
Fragebogen |
14,90 € |
Über 1.500 Produkte |
Bloomwell |
Fragebogen, Termin |
25,22 € |
App, Gutachtenservice |
GreenMedical |
Online-Anamnese |
Ab 9,95 € |
Cannabis und Gewichtsmanagement |
CanDoc |
Fragebogen, Video |
10 € Erstrezept |
Live-Bestand mit Filtern |
5Swan |
Video |
25 € bis 65 € je Termin |
Fester Arzt, Behandlungsplan |
Die folgenden Antworten fassen zusammen, was die Anbieter zu ihren Abläufen veröffentlichen.
Gemeint ist die ärztliche Beratung und Verordnung über das Internet, per Fragebogen oder Videosprechstunde. Das Rezept kommt als E-Rezept, Abgabe und Lieferung übernimmt eine Apotheke. Die Entscheidung trifft der Arzt.
Nach den vorliegenden Angaben sind Online-Verschreibung und Apothekenversand derzeit erlaubt. Ein Gesetzentwurf mit persönlichem Arztkontakt für Blütenrezepte und Versandverbot liegt im Gesundheitsausschuss.
Der Fragebogen kostet 9,95 € Arzthonorar, die Videosprechstunde 29,90 €, jeweils ohne Medikament. Für Praxistermine über die Arztsuche legt die Praxis das Honorar fest.
Mehrere Anbieter verlangen ihn, etwa CannGo und Telecan, bei CannGo ist er für die Identitätsprüfung erforderlich. Bei Telecan kommen oft Befunde hinzu.
Bei Privatrezepten zahlen Sie selbst. Getrocknete Blüten sind von der Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung ausgeschlossen. Ob eine private Versicherung zahlt, hängt vom Vertrag ab.