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- Pressemitteilung der LandesschülerInnenvertretung Rheinland-Pfalz zum Schuljahresbeginn 2016/17 -

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Unser Lehrplan: eine Wissenschaft, die (langfristig) kein Wissen schafft

Mainz, 24. August 2016 - Jede Schülerin und jeder Schüler kennt es - erst aus der Schule, später aus der Uni: Das kurzfristige Pauken für die Klausur, absolut wohlwissend, dass das Meiste davon kurz danach wieder vergessen sein wird. Es gibt dafür unter "Betroffenen" sogar einen Fachausdruck: Bulimie-Lernen*. Wissen kurzfristig in sich hineinzustopfen, als gäbe es kein Morgen, dann in der Prüfung wieder auszuspucken und anschließend auf ewig zu vergessen, ganz getreu dem Motto: "Weg mit dem unnötigen Ballast!". Man kann dies durchaus verwerflich finden, da es für Verschwendung, für vergeudete Zeit und Unterforderung der grauen Zellen steht.

Was in den Schulen oftmals praktiziert wird, ist tatsächlich Alles, aber kein Bildungsaufbau - jedenfalls kein nachhaltiger. Dieses pathetische Überprüfen kurzzeitig gespeicherter Informationen, nur um es dann mit ebenso pathetischen wie schlicht aussagelosen Noten zu bewerten, kann nicht den Sinn und Zweck von nachhaltiger Bildung erfüllen. Wissen ist gut, Verstehen ist besser: Mit bloßem Auswendiglernen kommt man nämlich nicht weit. Zwar ist Faktenwissen in Fächern wie Mathematik, Physik, Chemie und Erdkunde das A und O. Aber auch hier ist ein Grundverständnis die Basis dafür, dass diese Fakten auch langfristig hängen bleiben. So ist es bedeutend leichter, Formeln zu lernen, wenn man die Zusammenhänge verstanden hat. Auch stumpfes Wiederholen bringt wenig, denn wer sich immer wieder dasselbe einzutrichtern versucht, hat innerlich längst abgeschaltet.

Generell kommt es nicht darauf an, quantitativ viel zu lernen. Reiner Frontalunterricht gilt längst als Steinzeit-Didaktik, in den Schulen wird das allerdings oft sträflich ignoriert. Der Schulunterricht läuft meist noch immer nach dem Prinzip ab, dass die Lehrerin oder der Lehrer redet und die Schüler*innen zuhören - oder es eben sein lassen. Hinterher finden sich jedoch viele dieser vor einem Bücher- bzw. Informationsberg sitzend wieder und versuchen, sich den Stoff umgangssprachlich "reinzudrücken" und Prüfungswissen regelrecht "einzuhämmern". Selbstverständlich findet sich in den Schulen des Landes auch gelegentlich Gruppenunterricht, der in den meisten Fällen das Ziel der nachhaltigen Bildung, beispielsweise aufgrund schlechter Durchführung, verfehlt. Dies gilt es jedoch zu ändern, wenn Schüler*innen von ihrer schulischen Laufbahn wirklich etwas haben sollen bzw. wollen.

Aufgrund dessen erwarten wir nicht nur, sondern fordern eine adäquate Bildung für alle Schüler*innen, in allen Schulen! Unsere Gesellschaft entwickelt sich stetig weiter, doch das Bildungssystem scheint in Einfallslosigkeit und Desinteresse eingefroren. Das Gehirn ist ein neugieriges Instrument, Monotonie unterfordert es allerdings auf kümmerlichste Weise. Wird ein Sachverhalt dagegen auf zehn verschiedene Arten vermittelt, ist der Lerneffekt deutlich größer. Beim Lernen ist also Abwechslung gefragt, damit die grauen Zellen aufnahmebereit bleiben. Um den Stoff zu verarbeiten, ist neben der Aufnahme auch die Wiedergabe nötig, was beispielsweise in Form von individuellen Projekten, bei welchen es gilt, Zusammenhänge eigenständig zu erforschen und zu erschließen, erreicht wird.

Neben den Defiziten, die wir in der Vermittlung der Lehrstoffe finden, sollten wir jedoch nicht unser Notensystem außer Betracht lassen, das einen wesentlichen Beitrag zum "(Auswendig-)Lernen & Vergessen"-Prozess beiträgt. Es wird in der Regel nur für die Note gelernt. Dadurch werden Schüler*innen nicht nur unter Druck gesetzt, sondern sie verlieren auch das wesentliche Ziel, Wissen langfristig zu behalten. In erster Linie ist es wichtig, dass man am Ende des Jahres seinen gewünschten Notendurchschnitt erhält. -Das darf nicht das Ziel von nachhaltiger Bildung sein. Was bringen uns 100% Unterrichtsversorgung, wenn man im Großteil der Unterrichtsstunden nichts lernt, was man nach der Überprüfung noch weiß?

Daher fordern wir, die LandesschülerInnenvertretung Rheinland-Pfalz, die neue Landesregierung auf, sich noch mehr mit der Thematik bzgl. der Verbesserung des momentanen Lehrplans und dessen Vermittlung zu befassen, sich endlich kritisch mit unserem Notensystem auseinander zu setzen und Entschlossenheit zu grundlegenden Veränderungen zu demonstrieren.


Über die Landesvertretung für Schülerinnen und Schüler in Rheinland-Pfalz (LSV):

Zitat von der LSV Internetpräsenz:
" Die LandesschülerInnenvertretung Rheinland-Pfalz vertritt seit 1. August 2009 die Interessen der ca. 410.000 Schülerinnen und Schüler an den etwa 640 Schulen mit Sekundarstufe I und II in Rheinland-Pfalz. Bis zu diesem Datum gehörten nur die Gymnasien und Gesamtschulen des Landes zur Vertretungsbasis.
Die LSV wurde Ende der 80er Jahre von Schülerinnen und Schülern aus Rheinland-Pfalz gegründet und ist seit 1991 durch das Schulgesetz offiziell als landesweite SchülerInnenvertretung anerkannt. "

Die LSV bietet einen kostenfreien Newsletter an: direkt zur Newsletter-Anmeldung.

Die Startseite Landesvertretung für Schülerinnen und Schüler in Rheinland-Pfalz (LSV): www.lsvrlp.de.

Die LSV hat Ihre Geschäftsstelle in Mainz: [ Direkt auf der freien Straßenkarte OpenStreetMaps ].

Linkempfehlung - Artikel Deutschlandfunk:
Rheinland-Pfalz
Was Schüler vom kommenden Schuljahr erwarten
Massiver Unterrichtsausfall, starke Fluktuation von Lehrkräften - das sind die Probleme, die zum Schuljahresende auf einer Tagung in Mainz unter dem Motto "Schule an der Leistungsgrenze" diskutiert wurden. Die anwesenden Schülervertreter kritisierten auch, dass nachhaltiges Lernen nicht möglich sei, sondern durch Leistungsdruck und Ziffernoten verhindert werde.
Von Anke Petermann
Deutschlandfunk: Was Schüler vom kommenden Schuljahr erwarten*, vom 15. Juli 2016.

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- Veröffentlichung dieser Seite am 26. August 2016 -